Von 0,0 € auf 30 Millionen € Eigenkapital in 20 Tagen – Bilanzlifting mit unbekannten Reserven

Eines Tages rief mich der Geschäftsführer eines nicht unbekannten Fernsehsenders an. Er benötige 10 Millionen Euro, habe dafür prinzipiell einen sehr interessierten Kreditgeber, aber dieser ziere sich, will nicht an Bord kommen. Er wisse nicht genau warum er immer vertröstet würde. Ob ich helfen kann, die Finanzierung zu stemmen, er brauche nur das Geld?

Wir erbaten die Bilanzen der Gruppe, die aus drei Gesellschaften bestand, deren Gesellschafter Geschäftsführer immer der „Fernsehmensch“ selber war. Eine Konstellation „Unternehmensgruppe“ die auch Sie geschätzter Leser sicher gut kennen.

Sinnlos und gefährlich für das Geschäft, gut für den Steuerberater weil er drei Mal abrechnen kann für eigentlich nur eine Sache. Das gebetsmühlenhafte Argument der „Haftungsentbindung“ ist grottenfalsch weil die „gegenseitig abhängigen Gesellschaften“ im Insolvenzfall alle anderen mitreißen lässt. Pech gehabt? Nein, Falschberatung die an der Tagesordnung liegt.

Die nach Zögern vorgelegten Bilanzen entpuppten sich dann als noch nicht abgeschlossene vom Vorjahr, sind also über 14 Monate Geschichtsschreibung. Für das vor Monaten abgeschlossene Kalenderjahr „ … sind die Zahlen noch nicht fertig, aber eine BWA liegt vor“, ist auch hier eine Antwort, die ein völliges Missverständnis vom Rechnungswesen beim Unternehmer als auch beim Steuerberater aufzeigt. Wer will schon BWAs lesen bei Finanzierungsfragen; nur Banken horten diese um der Dokumentationsplicht nachzukommen.

Würden Sie ein altes Auto finanzieren das zudem noch gar nicht fertig gebaut ist? Investoren finanzieren in aktuelle Bilanzen und Geschäftspläne, nicht in Stories und schöne Augen, wohl aber auch in Persönlichkeiten und auch nur wenn die Zahlen stimmen.

Ach da war noch eine Kleinigkeit: Alle drei Bilanzen waren hoffnungslos überschuldet und zudem bestanden Forderungen von Lieferanten die damals schon über vier Monate alt waren. Der Gesellschafter Geschäftsführer steht also mit einen, nein mit beiden Beinen wegen Insolvenzverschleppung im Gefängnis. Nur weiß er das nicht, nicht mal der Steuerberater sagt es ihm, er würde ja den Mandanten verlieren.

Nach mehreren stundenlangen Gesprächen in denen wir uns viele und nicht relevante Geschichten höflichkeitshalber angehört haben – auch Fernsehleute sind Geschichtenerzähler, nicht nur Ingenieure und Betriebswirte – konnten wir mit der Überzeugung durchdringen nun die Buchhaltung des soeben vergangenen Jahres doch endlich fertig zu stellen und vorläufige Bilanzen zu erzeugen. „Puhh“ kam die Antwort des Steuerberaters, „ … das dauert aber mindestens 8 Wochen, weil …“ er so viel Arbeit habe. Das Unternehmen benötige aber Geld, sehr dringend sogar wie Sie sich vorstellen können, viel Geld und ganz schnell, sonst geht der Bildschirm beim Zuschauer und die Lichter beim Sender aus.

Ein nicht zu überhörender Hinweis an den Steuerberater zum Tatbestand der „Beihilfe zur Insolvenzverschleppung“ und einer unverzüglichen Meldung an die „Standeskammer“, scheint auch bei diesem Steuerberater dann wieder geholfen zu haben ihm einfallen zu lassen doch plötzlich Zeit zu haben. Binnen einer Woche war die Buchhaltung ajour und dann auch ganz schnell eine vorläufige Bilanz auf dem Tisch. Aber was sehen die Augen des Beraters, der ja nur Geld bringen sollte, sich aber doch bitte nicht ins Geschäft einmischen sollte, es aber doch tat? Es kam was immer kommt: Die Companies sind noch viel tiefer in die schon fast kriminelle Haftungsfalle und Straffälligkeitsfalle gerutscht als beim Bilanzbild zuvor. Dem Geschäftsführer wurde es nun heiß bewusst, denn er hat sich den Ratschlägen seines „Nur-Finanzberaters“ geöffnet.

Was tun? In der Privatschatulle ist schon lange kein Geld mehr, eine halbe Million € waren schon in die Firma versenkt. Klar der Aufbau eines Senders kostet Geld, viel Geld. Eine Million schuldet man den Gläubigern mittlerweile. Die Erträge reichen nicht zur Tilgung ohne neue Sendelizenzen, dazu aber braucht man frisches Geld, viel Geld, erst dann kommen auch mehr Umsätze rein. Na das konnte im Rahmen einer Geschäftsplanung durchaus plausibel nachvollziehbar sein, die wir parallel zu den endlosen Gesprächen mit dem Geschäftsführer, aufstellten. Ein echter Geschäftsplan, belastbare Zahlen, keine Phantasien lagen auf dem Tisch. Ein Plan der sich aus der Vergangenheit ableitet, über die Gegenwart nun die Zukunft plausibel projiziert und auch den Markt mit einbindet.

Fein, wenn da nicht immer noch juristisch die Pflicht zur Insolvenzanmeldung gewesen wäre. Was also tun – aufgeben? Echte Entrepreneure geben nicht auf! Besonders wenn sie gute Berater haben. Berater die vom juristischen so viel verstehen wie vom technischen, als auch vom betriebswirtschaftlichen. Berater die mutig genug sind, sich nicht hinter „Risiken“ und „drohenden Haftungen“ zu verstecken. Berater die Erfahrung haben, nicht solche die analysieren nur auf der Uni gelernt haben, ohne daraus Maßnahmen ableiten und umsetzen zu können.

Wir stellen also die Fragen, wie: „Woher kommenden die vielen Beiträge die Sie täglich im Fernsehen senden? Es sind doch hoch qualifizierte Dokumentarberichte aus einem immerwährend aktuellen Fachbereich und wir sehen in Ihren mittlerweile transparenten Zahlen keine Kosten für die Herstellung solchen Filmmaterials, wo kommt diese Rohware her?“. „Die liegt bei mir im Keller … “ erwidert der Unternehmer selbstbewusst „… ich bin der Erfinder dieser Sendereihe und als mein ehemaliger Arbeitgeber mich entlassen musste, habe ich die Rechte und das Filmmaterial als „goldenen Handschlag“ bekommen“.

„Was kostet die Herstellung einer Stunde Sendematerial und wie viele Stunden haben Sie im Keller liegen“? Wir wittern einen Goldschatz im Keller des Geschäftsführers, wie er bei vielen Gesellschaften dort lagert, ohne dass die leider bilanztechnisch und handelsrechtlich unwissenden Geschäftsführer davon wissen. „Na so gut 6.000 Stunden Filmmaterial, wenn ich davon heute eine Stunde produzieren müsste, würde das so … hmmm 7.000 Euro je Stunde Material kosten“.

Rechnen wir mal als Pragmatiker, ohne ganz genau zu sein, was natürlich ein Steuerberater von uns erwarten würde: Das ist ja eine Wert von über 40 Million Euro, ein Schatz von gut 40 Millionen im Keller der Gesellschaft und niemand weiß davon? Wir wussten schon vorher wonach wir mit fast kriminalistischer Technik suchen mussten und wir haben es auch hier wieder gefunden. Nun geht es nur noch darum, diesen Schatz aus dem Keller zu heben und in die Bilanz zu bekommen. Von der Pleite zu 40 Millionen Eigenkapital in 20 Tagen?

Der Schatz lag im Keller einer der drei Gesellschaften. Von mehreren Möglichkeiten – die wir natürlich alle aus Erfahrung kennen und schon oft realisiert hatten – kam nur eine einzige hier in Frage. Dazu schalten wir einen staatlich beeidigten Buchprüfer ein. Diese Fachgruppe ist aus Erfahrung pragmatisch, meist Juristen, so verstehen sie wirklich was vom Fach. Man bat ihn um die gutachterliche Bewertung des Filmmaterials. Zeitgleich bereiten wir die Fusion aller Gesellschaften zu einer einzigen vor; damit schlagen wir dann mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Nicht nur, dass die Steuerberatung drastisch billiger und der Unternehmer viel mehr Überblick hat. Das wichtigste ist, wir heben den Schatz in dem diese „stillen Reserven“ der einen Gesellschaft durch „Verschmelzung auf“ die andere Gesellschaft erfolgt. Praktiker Trick Nummer 25, in allen Konzernen gang und gäbe, Steuerberater haben davon meist keine Ahnung. Sie sind bei uns, sehr geehrter Leser?

Dabei hat man nun – natürlich nach kaufmännischer Vorsicht geboten – 70 % des Schatzes in das Eigenkapital eingebucht, das waren dann satte 30 Millionen Euro. Auf einen Schlag war der Fernsehsender nun nicht mehr Pleite, sondern weist in einer zeitnahen Bilanz fast 30 Millionen Euro gutes Eigenkapital aus. Steuern? Steuern fielen natürlich keine an, man muss wissen wie es geht, dann geht auch das.

Kaum hat die nun „kapitalmarktfähige“ Gesellschaft die sehr aktuelle und werthaltige Bilanz nebst allen Gutachten und gut aufbereiteten Geschäftsplänen beim lange vorgehaltenen Kreditgeber eingereicht, wurden die gewünschten 10 Millionen Euro liquiden Kreditmittel zur Expansionsfinanzierung ausgereicht. Die lange offenen Verbindlichkeiten konnten nun getilgt und die Insolvenzgefahr damit beseitigt werden. Nun wurde kräftig mit erweitertem Geschäft durchgestartet.

Wie man nun aus den 30 Millionen Euro immateriellen und daher nicht liquiden Eigenkapital, zusammen mit den 10 Millionen Euro Kredit weiter 60 Millionen liquide Mittel als nicht rückzahlbares Eigenkapital in die Gesellschaft bringt, ist der zweite, nächste Teil dieser wahren Geschichte.

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